„Etwas mehr Humanismus kann uns guttun“

Harich, Bahro, Havemann: Was bleibt von den drei prominentesten Ökosozialisten der DDR?

Interview in „DER RABE RALF“ vom Dezember 2024/Januar 2025, Seite 16

Wolfgang Harich, Rudolf Bahro und Robert Havemann gehörten zu den bekanntesten Regimekritikern der DDR. Heute sind sie weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei haben alle drei radikal-ökologische Ansichten vertreten. Aber haben sie uns über 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus noch etwas zu sagen? Der Rabe Ralf sprach mit dem Politikwissenschaftler Alexander Amberger über systemtreue Dissidenten, linke Wachstumskritik und repressive Utopien.

Der Rabe Ralf: Herr Amberger, in Ihrer Dissertation vergleichen Sie die wichtigsten Werke von Wolfgang

Sciene-Fiction in der DDR: „Die Dystopie selbst war nicht gewollt“

Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, Beitrag vom 16.03.2021
Alexander Amberger im Gespräch mit Max Oppel

„Man hockt in seinen vier Wänden, braucht sich überhaupt nicht mehr vom Fleck zu rühren: Geschäfte, Arbeit, Bildung, Entspannung, alles via Bildschirm, sogar Sex und Partnervermittlung. Irgendwann hört man auf, die anderen zu besuchen und lebt mit den Welten, die die Videowände so bereitwillig ins Haus senden.“

Das ist nicht etwa ein Corona-Tagebuch, sondern ein mehr als 40 Jahre alter Text von Gert Prokop, Science-Fiction- und Krimiautor aus der DDR. Seine Bücher waren lange vor dem heutigen Boom der dystopischen Erzählungen Bestseller, nur scheint er heute vergessen, …

Utopieforscher ohne Utopie

Rezension des Sammelbandes „Auf Utopias Spuren: Utopie und Utopieforschung.“
Von Hermann Klenner, in: neues deutschland vom 14.07.2017 

Alex Amberger und Kollegen haben sich auf die Spur von Thomas Morus und dessen Eleven begeben
Gewidmet ist der Band dem im Gefolge der Wende zum Universitätsprofessor nach Halle an der Saale berufenen und dort bis zur Emeritierung lehrenden Richard Saage.

Der einstmalige Schüler der Gelehrten Iring Fetscher und Helga Grebing betonte stets, kein Utopist zu sein. Und nun also ist er anlässlich seines 75. Geburtstages mit einem Utopie-Band geehrt worden.
Diese gerechtfertigte Ehrung erfolgte, wie es der Zufall so will, 500 Jahre, …

Post-Wachstumsutopien in der DDR

Rezension von Frank Engster 
in: PHASE 2. Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 52

Die Pointe der Marx’schen Ökonomiekritik liegt in der Möglichkeit ihrer selbstkritischen Wendung. Reflektiert die an Marx interessierte Diskussion im Sinne einer solchen Selbstanwendung auf die Bedingungen ihrer eigenen Wissensproduktion, so lassen sich für die Nachkriegsjahrzehnte erhebliche Unterschiede zwischen BRD und DDR feststellen. In der realsozialistischen Planwirtschaft waren Forschung und Produktion zu Marx zwar Staatsauftrag, und Tonnen von marxistisch-leninistischer Literatur wurden geradezu zum Plansoll erhoben. Doch die Qualität stand in einem erstaunlich schlechten Verhältnis zur Quantität – nicht untypisch für die sozialistische Warenproduktion; Ausnahmen waren lediglich die Bereiche …

Besprechung von „Bahro – Harich – Havemann“

in: konkret, Heft 3/2016

Autor: Johannes Hauer

Die politische Grenzziehung entlang polizeilicher Vorgaben hat zur Folge, dass die komplette Geschichte sozialistischer Ökologie in Theorie und Praxis bei Degrowth Anathema ist. Es ist daher sehr verdienstvoll, dass Alexander Amberger in seiner Dissertation Bahro – Harich – Havemann. Marxistische Systemkritik und politische Utopie in der DDR einige weithin vergessene ökosozialistische Positionen in Erinnerung ruft. Amberger zeichnet zunächst die offiziellen Reaktionen auf den Bericht des Club of Rome im sozialistischen Lager nach. Während die DDR einerseits schon 1971 ein Umweltministerium einrichtete, wurden ökologische Probleme andererseits vertuscht und als Folgeerscheinungen privatwirtschaftlichen Profitstrebens …