Rezension zu Wolfgang Harich: Schriften aus dem Nachlass, Frühe Schriften

Wolfgang Harich: Schriften aus dem Nachlass, Frühe Schriften Bd. 1.1 (Neuaufbau im zerstörten Berlin), 1.2 (Von der „Täglichen Rundschau“ zu Herder) und 1.3 (Der Weg zu einem modernen Marxismus), hrsg. u. kommentiert v. Andreas Heyer, Tectum Verlag, Marburg 2016, 2016 u. 2018, zus. 2203 S.

Erschienen in: Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien 2020/III, S. 156–159

Eine Dystopie des Spätkapitalismus bei Gert Prokop, Vortrag zum Nachhören

Vortrag vom 25. August 2020 beim „Helle Panke“ e.V. Berlin,
Referent: Dr. Alexander Amberger (Politikwissenschaftler, forscht u.a. zur Geschichte politischer Utopien)
Moderation: Dr. des Birgit Ziener

„Man hockt in seinen vier Wänden, braucht sich überhaupt nicht mehr vom Fleck zu rühren: Geschäfte und Einkauf, Börse und Arbeitsmarkt, schon ein Großteil der Arbeit selbst, Informationen, Bildung, Entspannung, alles via Bildschirm, sogar Sex und Partnervermittlung. Irgendwann hört man auf, die anderen wenigstens noch per Communicator zu besuchen, und lebt mit den Welten, die die Videowände so bereitwillig ins Haus senden.“

Verehrung schlug in Verachtung um

Andreas Heyer stieß im Nachlass des Sozialphilosophen Wolfgang Harich auf eine merkwürdige Affinität zu Arnold Gehlen
 
 

Er war ein intellektueller Außenseiter, in einer seltsamen Sonderrolle zwischen durchaus politischem Einfluss und der Ohnmacht eines Wissenschaftlers: Wolfgang Harich, der vor 25 Jahren in Berlin verstarb. Man könnte ihn auch als einen tragischen Helden bezeichnen. Nachdem er 1957 im Schauprozess gegen die von der DDR-Justiz konstruierte »Gruppe Harich« aussagen musste, brach der Kontakt zu Freunden und Vertrauten wie Walter Janka, Ernst Bloch und Georg Lukács ab, viele wollten oder durften nichts mehr mit ihm zu tun haben.