Statt Perestroika-Idyll offensiv gegen das Kapital

Die unbequemen Überlegungen des vor 20 Jahren verstorbenen Wolfgang Harich
Zuerst erschienen in: neues deutschland vom 14./15.03.2015

Im Jahr 1956 wurde der Marxist Wolfgang Harich zusammen mit einigen Kollegen aus dem Aufbau-Verlag und der Redaktion des „Sonntag“ verhaftet. Sie hatten die Absetzung Walter Ulbrichts und eine Entstalinisierung der DDR angestrebt. Für Harich, den intellektuellen Kopf dieses Verschwörerkreises, stellte die deutsche Wiedervereinigung das zentrale Ziel dar. In Ulbricht und Adenauer sah er zwei Gegner, da sie jeweils den Aufbau ihres separaten Teilstaats anstrebten und die Spaltung noch forcierten. Beide mussten also weg, Adenauer durch einen Sieg der SPD bei der Bundestagswahl …

Promotionsprojekt: Marxistische Postwachstumsutopien der DDR-Opposition

Ein Vergleich der Konzepte von Rudolf Bahro, Wolfgang Harich und Robert Havemann aus den siebziger Jahren

Zuerst veröffentlich in: Mitteilungen des Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Nr. 44, September 2013

Von konservativen Intellektuellen wie Karl Popper und Joachim Fest wurde nach 1990 das Ende der Utopie verkündet. Für sie war die gesamte Gattung per se totalitär und damit repräsentativ für die Diktaturen des 20. Jahrhunderts, gleich ob „rot“ oder „braun“. Diese Lesart übergeht jedoch völlig, dass es in der Utopiegeschichte nicht nur archistische, etatistische Konzepte gab, sondern auch eine ebenso beachtliche Tradition an anarchistischen Texten.
In …

Rollentausch am Mikrofon

PolitikerInnen fragen JournalistInnen nach Wegen aus der Eurokrise

Zuerst veröffentlicht in: ROSALUX – Journal der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Ausgabe 1-2013

PolitikerInnen entscheiden – KommentatorInnen wissen es besser. Dieses Bild vermittelt der tägliche Blick in die Medien. Im Rahmen der zehnten Linken Medienakademie (LiMA) fand nun im März in Berlin die Podiumsdiskussion «Politik grillt Kommentar» statt, bei der diese Rollen vertauscht wurden. Oder besser: werden sollten, denn der eigentlich als Moderator fungierende LINKEN-Politiker Axel Troost konnte sich eigene Statements nicht verkneifen. Mit ihm moderierte Sabine Reiner (Verdi Bundesverwaltung, Vizevorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung) die Runde, an der Ulrike Herrmann von der taz, der Blogger Thorsten …

Anti-Utopie einer Öko-Diktatur

DDR-Querdenker Wolfgang Harich als Pionier linker Wachstumskritik

Zuerst veröffentlicht in: neues deutschland vom 15.03.2010
 
Heute vor 15 Jahren starb Wolfgang Harich. Mit seinem Namen bringt man meist die oppositionelle »Gruppe Harich« von 1956 in Verbindung. Manche erinnern sich auch an sein Engagement in der »Alternativen Enquête-Kommission DDR-Geschichte« nach 1990. Doch er war auch einer der ökologischen Vordenker der DDR.
Anfang der siebziger Jahre erschienen im Westen erste Forschungsergebnisse, die auf Gefahren des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums aufmerksam machten, zum Beispiel die Berichte an den »Club of Rome«. In der DDR hatte die SED zu dieser Zeit, auf ihrem VIII. Parteitag 1971,