Ernst Bloch und die DDR-Dissidenten der siebziger Jahre

Vortrag aus dem Jahr 2013 zum Nachhören

Elemente seines utopischen Denkens bei Rudolf Bahro, Wolfgang Harich und Robert Havemann

Von 1949 bis 1961 lebte und wirkte der Philosoph Ernst Bloch in Leipzig. Als nahezu Unbekannter eingereist, wurde er innerhalb weniger Jahre zum wohl wichtigsten Denker der jungen DDR und geriet schließlich mit der SED in Konflikt. Während seiner 12 Jahre in der DDR veröffentlichte Bloch u.a. sein Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“ – eine Geschichte des utopischen Denkens, verknüpft mit einem praxisphilosophischen Imperativ.
Blochs Lesart der 11. Feuerbachthese von Marx, wonach die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert hätten und es doch auf deren Veränderung ankäme, war einer der zentralen Konflikte zwischen ihm und den Dogmatikern des Marxismus-Leninismus (ML). Unter anderem ging es dabei um die Rolle des Subjekts in der Geschichte; in einer Geschichte, die Bloch nicht deterministisch als quasi automatische Entwicklung hin zum Kommunismus verstand. Das Subjekt nahm in seiner Hoffnungsphilosophie eine weitaus größere Rolle ein als in der Ideologie der SED. Gleichfalls trifft dies auch auf das Utopische und die Utopie zu, die Bloch als Motor der Geschichte betrachtete, während Vertreter des ML sie als vormarxistisch diskreditierten.
Die Aufwertung des Subjekts findet sich auch in den utopischen Schriften späterer Querdenker wie Rudolf Bahro oder Robert Havemann. Sie knüpften zudem an Blochs Forderung an, die Utopie als Mittel der Transformation in das marxistische Denken zu (re-)integrieren. Eine utopische Schrift verfasste nicht zuletzt auch Wolfgang Harich, der Blochs Kollege bei der „Deutschen Zeitschrift für Philosophie“ in den 1950er Jahren gewesen war.
In dem Vortrag werden das Wirken und Denken Blochs in der DDR nachgezeichnet und Elemente seiner Utopie und Philosophie in den Schriften der genannten marxistischen SED-Kritiker herausgearbeitet und verglichen.