Wolfgang Harich und der Streit um Friedrich Nietzsche in der DDR
Zuerst erschienen im nd, 23.12.2020, S. 9.
»Wäre Harich damals eingeliefert und ruhiggestellt worden, Nietzsche hätte in der späten DDR wohl tatsächlich […] noch eine kleine publizistische Blüte und […] eine museale Aufwertung erfahren; kritisch sicherlich und noch immer mit warnendem Zeigefinger, aber doch mit heimlichen und unheimlichen Identitätspotenzialen für jedermann.« Dieses Zitat aus Matthias Steinbachs neuem Buch enthält zwei weitverbreitete Annahmen: Erstens, dass der späte Wolfgang Harich zumindest in der Nietzsche-Debatte »verrückt« gewesen sei. Und zweitens, dass der Philosoph und Publizist sich hier als kulturstalinistischer Großinquisitor aufgespielt habe, …